FIBO 2018 - was hängen bleibt

16 / April 2018

Es ist der Montag nach der FIBO - die strapazierten Stimmbänder erzeugen wieder mehr als nur noch ein paar Krächtzlaute, das Klingeln in den Ohren weicht allmählich der alltäglichen Geräuschkulisse. Die internationale Fitness- und Bodybuildingmesse in Köln war auch im Jahre 2018 alles andere ein gemütlicher Strandspaziergang. Wie in den Jahren zuvor diktierte trotz der jüngst beschlossenen Aufhebung der Unterteilung in POWER, EXPERT und PASSION die Fasson "breiter, größer & lauter" den Hergang der Messe. 

Trotz der gewohnten Kulisse gab es jedoch auch diesmal wieder einige bemerkenswerte Entwicklungen zu sehen, die wir nicht unkommentiert lassen wollen - sowohl als Fans der Szene als auch als Unternehmer.

Die Vermengung der Interessengruppen

Wie eingangs bereits erwähnt, schaffte das FIBO-Management dieses Jahr die gewohnte Eingliederung in FIBO Power, Expert und Passion ab. Die lokale Splittung der Messe diente vor allem der Orientierung der jeweiligen Interessengruppen. Wenn man die meisten Bodybuilder und regelmäßigen Messebesucher befragt hätte, welch offenkundige Mysterien sich wohl außerhalb der Hallen 10.1 und 10.2 befanden, hätte man in den meisten Fällen wohl kaum mehr als ein desinteressiertes Schulterzucken als Antwort erhalten.

Vermutlich um eine Vermischung der Gruppen zu erzwingen, wählte man diesmal den Weg des "größten Widerstands": Wer sich wunderte, wo sich beispielsweise der erstaunlich große Stand des Supplement-Herstellers Multipower befand, wäre in der Nähe des Laufschuhherstellers Sketchers und der Studiokette FITONE in der Halle 4 fündig geworden.
Die große Frage, die sich hier aufdrängt: Hat das neue Verfahren gegriffen? Eher nicht. Auch für uns waren nach wie vor die beiden Hallen 10.1 und 10.2 maßgeblich für die Knüpfung neuer geschäftlicher Kontakte und für ein kurzes Meet & Greet mit den Stars und Sternchen der Bodybuilding-Szene.

Vermutlich wird sich in den kommenden Jahren an dem neuen Konzept ebenso wenig ändern wie die Gewohnheit, sprich, die FIBO POWER wird es nach wir vor geben, auch wenn nicht mehr offiziell damit geworben wird.

Bodybuilding wieder stärker im Fokus

Insbesondere in den Jahren 2015 und 2016 wurde der Unmut über die extrem stark an Popularität gewinnenden Vertreter der Social Media-Fraktion, etwas zynisch auch "Fitness-Youtuber" genannt, laut. Sollten Haarpflegeprodukte, stylishe Tattoos in Zyzz-Manier und schicke Funktionsbekleidung den alten Zeitgeist des klassischen Bodybuildings verdrängen? Ungeachtet dessen, dass wir selbst sehr gute Kontakte in diese "neue Szene" unterhalten, halten wir diese Auseinandersetzung für unangemessen. Gerade dieses Mal hat sich gezeigt, wie sehr das klassische Bodybuilding vom Social Media-Hype der letzten Jahre profitieren konnte. Nicht mehr nur die Wettkampfauszeichnungen, sondern die eigene Präsentation auf Instagram und Youtube sorgen heutzutage letztlich dafür, dass auch altgediente Athleten, die diesen Trend vor kurzem noch kategorisch belächelten, trotz ihres Ruhestands oder langer Abstinenz auf den wichtigsten Wettkampfbühnen nach wie vor gewaltige Fanmassen um sich scharen und ihre Sponsorenverträge haben. Tolle Beispiele aus deutscher Sicht sind sicherlich Markus Rühl oder auch Dennis Wolf, die vor allem am Wochenende für geradezu lächerlich lange Schlangen an den Ständen ihrer Sponsoren sorgten. Auch Größen wie Kevin Levrone, der sein Comeback sehr stark auf Instagram zelebriert, waren eines der i-Tüpfelchen dieser Messe.
Rückblickend haben wir den Eindruck, dass das klassische Bodybuilding wieder stärker im Fokus des allgemeinen Interesses stand. Das heißt aber nicht, dass die noch vor 2 Jahren stark kritisierte Generation junger Athleten keine Beachtung fand. Die überwiegend in Halle 10.1 vertretenen Influencer sorgten bereits am Freitag zeitweise für riesige Menschentrauben, die man aus dem Kellersegment der Halle 10 so nicht gewöhnt ist.

Irgendwelche Innovationen?

Bekanntlich erfindet man das Rad nicht so einfach neu - das gilt auch für unsere Branche. Der Trend der letzten Jahre, konventionelle Lebensmittel mit reichlich Protein zu modifizieren, hält nach wie vor an - diätgeeignete Süßigkeiten und Knabbereien stehen auch bei namenhaften Herstellern nach wie vor hoch im Kurs und werden weiterhin fleißig optimiert.
Bewegte man sich jedoch weg von den großen Ständen hin zu den kleineren, nicht ganz so laut beschallten Ecken, ließ ensich hier und da jedoch einige interessante Nova begutachten. So begeisterte uns beispielsweise das Unternehmen NUTRIAIR, über das wir schon in unserem letzten Newsletter informierten.
Die US-amerikanische Firma stellt Stifte her, die ähnlich dem Prinnzip einer E-Zigarette bestimmte Nährstoffe zum Inhalieren enthalten. Die Stoffe werden über die Schleimhäute direkt ins Blut aufgenommen und entfalten dort schneller ihre Wirkung als es beim klassischen Verzehr von Nahrungsergänzungsmitteln der Fall ist. Wir haben hierzu zwar keine wissenschaftlich fundierten Studien gelesen (die uns freundlicherweise jedoch angeboten wurden), allerdings konnten wir uns unmittelbar vor Ort von der Wirkung überzeugen. Eine echte Alternative zu Preworkout Boostern, Libido Enhancern und Schlafsupplementen? In den USA scheint NUTRIAIR aktuell auf einer Hypewelle zu reiten - gut möglich also, dass man auch hierzulande bald so manchen Fitnessenthusiasten mit Inhalierstift in den Raucherecken findet.

Hat die FIBO Früchte getragen?

Definitiv ja. Abgesehen davon, dass wir es wieder sehr schön fanden, mit unseren Kunden persönlich von Angesicht zu Angesicht zu plauschen und auszutauschen, werden wir aller Voraussicht nach in absehbarer Zeit unser Portfolio abermals um weitere, tolle Produkte namenhafter Hersteller erweitern. Auch wenn konkrete Produkte noch nicht spruchreif sind, freuen wir uns jetzt schon auf die kommenden Monate!

Wie könnte man die FIBO besser gestalten?

Betrachtet man die Entwicklung der letzten Jahre, wurde dieses Mal besonderes Augenmerk auf die Sicherheit der Messe gelegt. Rucksack- und Passkontrollen an den großen Eingängen waren 2018 ein Novum, mit Sicherheit werden wir diese Securitychecks jedoch auch in den kommenden Jahren eine stete Begleiterscheinung der FIBO sein. 
Während an den Haupteingängen kontrolliert wurde, sah die Situation für die Aussteller offenbar jedoch anders aus. Wie nun bereits häufiger kritisiert, wurden in den Lastenaufzügen und Ausstellerparkplätzen häufig keine Personalien oder gar die Eintrittskarten überprüft. Unter anderem beklagt ein deutscher Promi der Szene auf seinem Youtube-Kanal, dass in sein Auto eingebrochen und Wertgegenstände entnommen wurden. Während so etwas auf den Besucherparkplätzen der FIBO nie vollständig ausgeschlossen werden kann, sind Einbrüche und Diebstähle auf den übersichtlichen und vermeintlich besser kontrollierten Ausstellerparkplätzen auf den Dächern der Messegebäude gelinde gesagt ein Fiasko. Hier besteht definitiv Verbesserungsbedarf.

Ein anderes Manko der Messe, welches in den letzten Jahren zunehmend kritisiert wurde, ist die ohrenbetäubende Lautstärke in den POWER-Hallen 10.1 und 10.2. Jetzt ist natürlich nachvollziehbar, dass insbesondere Privatbesucher ein unvergleichliches Spektakel wünschen und die Aussteller möglichst auffällig für sich werben möchten. An den ersten beiden Fachbesuchertagen sind geschäftliche Gespräche aufgrund der Lautstärke auch abseits der Stände kaum noch möglich, ohne sich so nahe zu kommen wie es in einer Disko üblich (und wenigstens hier auch so erwünscht) ist. Um die obligatorischen 4-Augen-Gespräche künftig nicht dauerhaft in die kleineren Restaurants oder gar ins Treppenhaus zu verschieben, wäre für die Fachbesuchertage ein verbindlich reduzierte Lautstärkepegel vielleicht nicht die schlechteste Idee.


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