Koffein - was Du als Händler wissen solltest

13 / September 2018

Kaffee gehört hierzulande für unzählige Menschen zu den Grundnahrungsmitteln. Die allmorgendliche Aufnahme des Koffeins gleicht schon beinahe einem Ritual, das den schlaftrunkenen Körper für die körperlichen und geistigen Alltagsansprüche wappnen soll. Der natürliche Muntermacher findet sich aufgrund seiner vitalisierenden Wirkung in den meisten Energy Drinks wieder und ist ebenfalls eine Hauptzutat in vielen Pre Workout Supplementen. Darüber hinaus haben zahlreiche Studien in den letzten Jahren gezeigt, dass der Kosum von Koffein lindernd bei bestimmten Kopfschmerzen wirkt, die Durchblutung in der Muskulatur erhöht und die Fettverbrennung fördert.

Und dennoch: in den letzten Monaten häuften sich die Meldungen über Schnellwarnungen, die Nahrungsergänzungsmittel mit einem besonders hohen Koffeingehalt betrafen. Mit diesem kurzen Artikel möchten wir vor allem die lebensmittelrechtlichen Rahmenbedingungen des Verkaufs von Koffein erläutern, um ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen.

Die Dosis macht das Gift

Wie bei allen pharnakologisch wirksamen Stoffen macht auch bei Koffein die Dosis das Gift. Eine normale Tasse Kaffee enhält etwa 50-90 mg des Stimulans. Wer schon mal zwei oder drei Tassen Kaffee hintereinander getrunken hat, wird als ungeübter Koffeinkonsument schnell feststellen, dass die Grenze der Veträglichkeit recht schnell erreicht ist. 200 mg auf einmal gelten als unbedenkliche Obergrenze, darüber hinaus kann es zu ungewollten Begleiterscheinen wie Herzrasen und Übelkeit kommen. Auch über den Tag verteilt sollten nicht mehr als 400 mg Koffein aufgenommen werden, da auch hier mit entsprechenden Nebenwirkungen gerechnet werden muss. Bei einer Aufnahme von 1000 g täglich treten bereits Herzrhythmusstörungen auf, die für Personen mit erkranktem Herz-Kreislauf-System gefährlich sein können. Die Aufnahme von 13 g gilt auch für einen gesunden Menschen als letale Dosis - das entspricht einem Equivalent von etwa 200-260 Tassen Kaffee.

Sonderstellung von Nahrungsergänzungsmitteln und Energy Drinks

NEM und Energy Drinks oder gar Energy Shots erlauben die Aufnahme hoher Mengen an Koffein in kurzer Zeit - daher gelten für das Inverkehrbringen besondere Vorschriften, die die Kennzeichnung betreffen. Hierbei werden die Produkte klassifiziert, sodass unterschiedliche Verordnungen greifen. Folgende Produktsorten müssen dabei eine entsprechende Kennzeichnung des Koffeingehaltes auf dem Etikett haben:

  • Getränke, die einen Koffeingehalt von über 150 mg / l enthalten
  • Andere Lebensmittel als Getränke, denen Koffein zugesetzt wurde (auch Nahrungsergänzungsmittel)

Getränke, die auf Tee oder Kaffee basieren, sind übrigens von dieser Kennzeichnungspflicht befreit, sofern in der Verkehrsbezeichnung der Begriff "Tee" oder "Kaffee" enthalten ist.

Welche Mengen an Koffein dürfen höchstens enthalten sein?

Je nachdem, unter welche Verordnung die Produkte fallen, werden auch die erlaubten Höchstmengen an enthaltenem Koffein unterschiedlich behandelt.
Energy Drinks zum Beispiel sind per Definition Getränke und fallen daher unter die sogenannte Fruchtsaft- und Erfrischungsgetränkeverordnung. Diese schreibt vor, dass das Getränk nicht mehr als 320 mg Koffein pro Liter enthalten darf.
Energy Shots/Workout Booster werden klassischerweise als Nahrungsergänzungsmittel in den Verkehr gebracht, die überwiegend mehr als 320 mg Koffein pro Liter enthalten. Zwingend erforderlich ist nach der Lebensmittelinformationsverordnung eine konkrete Verzehrempfehlung (beispielsweise eine Portion pro Tag). Übersteigt diese Verzehrempfehlung die Menge von 400 mg pro Tag, wird's kritisch. Für Nahrungsergänzungsmittel gibt es rechtlich gesehen zwar keine konkret definierte Höchstmenge für Koffein, dennoch werden in der Regel die 400 mg bei einer Prüfung als Grenze angesetzt.

Worauf sollte ich als Händler achten?

Wer koffeinhaltige Lebensmittel verkauft, sollte sich darüber im Klaren sein, ob es sich lediglich um normale Getränke oder Nahrungsergänzungsmittel handelt.
Handelsübliche Energy Drinks sind Getränke, für die die Obergrenze von 320 mg pro Liter gilt.
Andere Produkte wie Energy Shots, Tabletten, Kapseln, Pulver wie Pre Workout Booster etc. sind Nahrungsergänzungsmittel. Hierbei bitte einen Blick auf die empfohlene tägliche Verzehrmenge werfen. Wenn die Empfehlung eine Aufnahme von 400 mg Koffein pro Tag übersteigt, ist das Produkt nicht mehr verkehrsfähig.
Ein paar Beispiele für die Verzehrempfehlung:

  • eine Portion morgens und mittags mit jeweils 160 mg Koffein - unkritisch
  • 3 Portionen täglich mit jeweils 100 mg Koffein - unkritisch
  • eine Portion pro Tag mit jeweils 410 mg Koffein - kritisch

Falls Ihr also mal ein Produkt in den Händen haltet, das die Höchstmengen überschreitet, solltet Ihr Euren Händler und/oder den Hersteller kontaktieren. In den meisten Fällen wird nicht die Rezeptur geändert, sondern die tägliche Verzehrempfehlung angepasst, sodass das Produkt wieder verkehrsfähig ist.


Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben.